FILM - The Dark Knight Rises (3 out of 5)
Zunächst einmal - keine Sorge - die Spoiler-Gefahr ist gering - ich werde mich bemühen inhaltlich fast nichts zu verraten für diejenigen unter euch, die den Film noch nicht gesehen haben!
Wie nicht anders zu erwarten nach dem wirklich großen zweiten Teil der Trilogie mit dem unvergesslichen Auftritt von Heath Ledger als Joker, war "The Dark Knight Rises" der Stoff, der schon im Vorfeld für Gesprächsstoff sorgt - im Freundes- und Verwandtenkreis wurde schon vorab über den Film gesprochen und die Vorfreude war groß, in der Juli-Ausgabe des Musikmagazins "Rolling Stone" wurde der Batman aka Bruce Wayne dieser Trilogie psychologisch analysiert und leider hat ein irrer Amokläufer die Premiere des Films in Denver, USA, als Aufhänger benutzt um bei einem Amoklauf im Kinosaal zahlreiche Menschen zu töten.
Auch ich habe mich auf den vielleicht krönenden Abschluss der Batman-Trilogie von Christopher Nolan gefreut - weil wir ihn mit guten Freunden im Luxus-Kino Residenz anschauen würden, weil ich die düsteren ersten beiden Teile sehr mochte und weil Batman ohnehin generell schon so etwas wie mein allerliebster Superheld ist.
Hm, warum eigentlich ausgerechnet Batman!? Wahrscheinlich muss ich dazu den einen Teil unserer Kinobegleitung, Malin, zitieren: "Batman ist der einzige Superheld, der ohne wirkliche Superkräfte auskommt - er kommt nicht aus dem Weltall, er ist nicht Ergebnis eines Gen-Experiments, sein Genpool veränderte sich nicht durch einen Spinnenbiss."
Nun ist der Film auch in Deutschland angelaufen...
War der Hype gerechtfertigt!?...
Das Positive:
Im Kontext der Trilogie, also rein als Teil und Abschluss der Trilogie, betrachtet macht "The Dark Knight Rises" vieles richtig.
Der Stand der Entwicklung zu Beginn des Films ist absolut schlüssig - die Entwicklung des Lebens in Gotham City und der einzelnen Personen, inkl. Bruce Wayne, ist logisch und konsequent.
Für manche Handlungsstränge und Personen aus Teil 1 und/oder Teil 2 findet sich im Laufe von Teil 3 nun eine schlüssige Erklärung oder schließt sich stimmig der Kreis.
Keine Frage - als Abschluss der Trilogie sorgt "The Dark Knight Rises" dafür, dass alle 3 Teile zusammen genommen eine kompakte, schlüssige und alles zu Ende führende Einheit sind.
Auch als Einzelfilm betrachtet hat "The Dark Knight Rises" einiges zu bieten - bombastische Soundkulisse, bekannte, einem ans Herz gewachsene Charaktere lassen mitfiebern, gute Besetzung (mit einer Ausnahme - dazu später mehr) bis in kleinere Rollen, die Action-Szenen und Special Effects sind auf der Höhe der Zeit und auch Spannung kommt durchaus auf.
Kurzum - "The Dark Knight Rises" ist zweieinhalb Stunden gut gemachtes, hochwertiges Popcorn-Kino, für das man allerdings doch besser einiges an Vorwissen aus den beiden Vorgänger-Filmen mitbringen sollte.
Nur aus dieser Perspektive bewertet würde ich dem Film 4 von 5 Sternen geben.
Aber...
Aber es gibt leider auch einiges zu kritisieren und wenn ich diese Aspekte mit berücksichtige, dann hat der Film aus meiner Sicht allenfalls 2 von 5 Sternen verdient.
Das Negative:
Ich habe mich während des Films mehrfach gefragt, ob Regisseur Christopher Nolan vielleicht ein wenig Angst vor dem mit Teil 2 "The Dark Knight" selbst geschaffenen Meilenstein hatte.
Wie sollte er den noch überbieten!?... Noch mehr Action!? Noch mehr Batman!? Noch düsterer? Völlig gegen den Strich gebürstet!?...
Vermutlich keine einfache Aufgabe, die da vor ihm lag - aber mich persönlich haben seine Entscheidungen enttäuscht!
"Batman begins" und "The Dark Knight" waren vom Grundtenor her sehr düster angelegt - der Blick auf die verkommene, dekadente Gesellschaft, ein in sich brüchiger Held, tragische Entwicklungen ohne Happy End, selbst die Bilder und Farben des Bildmaterials.
Nicht umsonst galt diese Trilogie als Superhelden-Saga für ein eher erwachsenes Publikum.
"The Dark Knight Rises" ist nun zum Glück nicht plötzlich knallbuntes Popcorn-Kino, aber so düster wie die ersten zwei Teile kommt der dritte Teil leider nicht mehr daher.
Von der Bildkomposition und den gewählten Handlungsorten her ist Teil 3 nicht mehr so düster - weniger Nacht, weniger Grau, weniger Nebel, mehr Sonne und Grün.
Manch Tragik verliert sich in Teil 3 nun doch plötzlich in einer Happy End-Atmosphäre.
Gut 1 1/2 Minuten vor dem drohenden totalen Untergang Gothams hat der Held nun "natürlich" noch Zeit für eine schmalzige Kuss- und Abschiedsszene.
Während in Teil 1 und Teil 2 nur sehr wenige dieser typischen coolen Actionfilm-Sprüche vorkamen (ihr wisst schon, etwa wenn der Held, die schon entsicherte Waffe am Kopf, schnell noch mal einen ultracoolen Spruch vom Stapel lässt), habe ich in Teil 3 wohl gleich ein Dutzend dieser ach so witzigen Sprüche wahrgenommen. Einige davon sind für sich genommen sogar tatsächlich witzig; sie passen aber halt nicht zu dem eigentlich düsteren Tenor der Trilogie.
Diese Kleinigkeiten zusammen rauben mir ausgerechnet zum Abschluss der Trilogie etwas das Gefühl von der dunklen Saga.
Schade finde ich zudem, dass ausgerechnet der dritte Batman-Teil mit arg wenig Batman auskommt.
Über weite Strecken des Films ist wenig von Bruce Wayne und noch weniger von Batman zu sehen.
Und wenn ich unter den positiven Aspekten vorhin die Klasse der Action-Sequenzen lobte, komme ich an dieser Stelle nicht umhin festzuhalten, dass sie gleichzeitig aber auch relativ rar gesät sind.
Ein wenig mehr Action, ein wenig weniger Gelaber - der Dunkelheit hätte das nicht zwingend einen Abbruch getan, aber es hätte für mehr Highlights und eine straffere Erzählweise gesorgt. So aber zeigten sich doch hier und da leichte Hänger.
Eine Enttäuschung war für mich die Besetzung von Catwoman - Anne Hathaway mag als augenklimperndes, scheues Rehauge in ihren typischen Romantic Comedies eine Daseinsberechtigung haben (obwohl ich sie selbst dort weder besonders attraktiv noch beeindruckend talentiert finde), aber die körperliche starke und eigentlich ja komplett durchgeknallte Catwoman konnte ich ihr einfach nicht abnehmen - da kann die CI ihr noch soviel Gelenkigkeit kunstvoll andichten...
And finally...
Und zum Abschluss die für mich größte Enttäuschung - die billige politische und patriotische Aussage des Films zum genau falschen Zeitpunkt!
Es gab Momente, da dachte ich, ich bin in einem Film von der Blockbuster-Flachpfeife Roland Emmerich, jenem Mann, den wir so unsägliche Momente zu verdanken haben wie das Finale von "Independence Day", wenn zu patriotischer Bombastmusik ausgerechnet der amerikanische Präsident höchstpersönlich in einen Kampfjet steigt um den Außerirdischen den Garaus zu verpassen.
In "The Dark Knight Rises" sehen wir irgendwann ein gut gefülltes Football-Stadion, ein kleiner Junge singt voll schöner Inbrunst die Nationalhymne, die Menschen stehen mit der Hand auf dem Herz auf ihren Plätzen und auf dem Weg zum ersten Touchdown bricht dann die Hölle des Terrorismus über das Stadion und Gotham herein. Der Spieler läuft auf die Endzone zu, hinter ihm bricht das Spielfeld und damit die Welt, die Gesellschaft zusammen, er bekommt das alles scheinbar gar nicht mit, er rennt und rennt - bis zum Touchdown und erst dann dreht er sich um und sieht, dass hinter ihm alles in Trümmern liegt und er der letzte Überlebende auf dem Feld ist - was für eine gequirlte, billige Patrioten-Scheiße!
Noch so ein Moment zum Vergessen - eine Hundertschaft von Polizisten stellt sich zermürbt und schwach bewaffnet dem mit schwersten Waffengeräten ausgerüsteten Heer der Terroristen - die Musik wabert dazu bedeutungsschwer-würdevoll und zerrissene US-Flaggen wehen müde im Wind...
Das ist billiger Action-Film-Pathos und diese Momente haben so rein gar nichts mehr von dem desillusionierten Unterton der ersten beiden Teile.
Vor allem aber ist das für mich gerade in der jetzigen Zeit und in einem Film, von dem man so etwas nicht unbedingt erwartet hatte, ein fatal falsches Zeichen.
Seien wir doch einmal ehrlich - unsere Welt ist ziemlich im Arsch.
In Syrien passiert ein Massaker an der Zivilbevölkerung nach dem Anderen und die Weltgemeinschaft schaut zu, weil im Gegensatz zum Irak oder Libyen gibt es in Syrien für den Westen halt nicht viel profitbringendes zu sichern und Russland und China wollen ihren Kumpel trotz aller Gräueltaten halt lieber in Amt und Würden halten.
In Europa wird der einzelne Bürger, also der eigentliche Souverän der Staaten, nicht groß gefragt, wenn die Banken schon wieder für komplett in die Hose gegangene, teilweise menschenverachtende (Stichwort: Spekulation auf Grundnahrungsmittel) Spekulationen und Profitgier abermals Milliarden in den Arsch geschoben bekommen und dafür dann in manchen Staaten einfache Menschen plötzlich auf durchaus mal 30 % ihres Einkommens verzichten müssen.
In Griechenland z.B. hat die Zahl der Drogenabhängigen seit dem Start der drastischen Sparmaßnahmen um 50 % (!!!) zugenommen - weil das Elend, vor dem es zu flüchten gilt zugenommen hat und weil der Staat parallel seine Gelder zur Drogenbekämpfung und zur Hilfe für Abhängige drastisch zurückgefahren hat.
Diese Reihe ließe sich beliebig fortsetzen - die Demokratien scheinen im realen Leben nur noch den Interessen der Lobbyisten und Großindustrie zu dienen.
All das ist nicht weit von dem düsteren Bild entfernt, das Christopher Nolan symbolhaft von Gotham City zeigte - auch in Gotham City regieren Profitgier und Lobbys, haben die kleinen Leute kaum etwas zu sagen und selbst die wohltätige Wayne-Foundation fährt ihre Hilfsmittel für Straßenkinder-Projekte zurück - Gotham City - das ist die westliche Welt auf ihrem beschissenen Stand hier und heute.
Und die Antwort des finalen Teils auf diese Misere in Gotham City und eben auch dem realen Leben!? - Leute rauft euch zusammen (unter der amerikanischen Flagge) - die Hoffnung stirbt zuletzt, Alternativen gibt es nicht, das System ist es doch wert und wer euch zum großen Umbruch bewegen will, kann schlussendlich nur ein Terrorist sein.
So wie Bösewicht Bane - der den Menschen in Gotham City wortgewaltig verspricht dem dekadenten einem Prozent die Macht zu nehmen und ihnen, den 99 % "normalen" Menschen, ihr Leben und ihre Stadt endlich wieder zurück in die eigenen Hände und die eigene Verantwortung zu legen, aber in Wirklichkeit als erstes alle Schwerverbrecher auf die nun ungeschützten Menschen loslässt und eigentlich nur Chaos und Zerstörung will.
Irgendwie fast ein kleiner Schlag ins Gesicht so redlicher aktueller Erneuerungsansätze wie z.B. der Occupy-Bewegung!
Seinen Höhepunkt findet dieses schwachsinnige Drohgebilde vor der ach so bösen Revolution in einer Filmsequenz, in der Bane sogar einen billigen Spruch der Angst vor Fremdem wie dem Islam schürt aufsagen darf - nämlich als nach der Eroberung der ultimativen Bombe sinngemäß den Satz sprechen darf: "Und schon bald werdet ihr hiermit die nächste Stufe der verkommenen westlichen Zivilisation zu sehen bekommen!"... - Ja, genau - Hilfe es gibt Wünsche nach Umbruch - alles terroristisch, alles anti-westlich, alles böse...
Schade, da hält Nolan uns mit seinem Bild von Gotham City einen Spiegel unserer Gesellschaft vor die Nase und gibt dann eine banale, einfältige, ausweichende und unnötig patriotisch gefärbte Antwort...
Schade für das Gesamtkunstwerk der Trilogie, schade für den Mythos Batman...

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