Freitag, 13. Juli 2012
FILM - Perfect Sense (5 out of 5)
Gerade in Sachen Kino ist das Leben manchmal ungerecht.
Als im vergangenen Sommer der Starttermin von "Perfect Sense" gekommen war, freute ich mich darauf diesen Film gleich im Kino zu sehen. Tja, was soll ich sagen - jetzt wohne ich schon in der Millionenstadt Köln, in der eigentlich wirklich fast jeder Film auf die Leinwand kommt, aber selbst hier in Köln war der Film umgehend auch schon wieder verschwunden.
Schon auf den ersten Blick ist das eigentlich verwunderlich - ein Endzeit-Szenario - das geht doch eigentlich immer, der Film lief auf dem renommierten Sundance Filmfestival, Regisseur David MacKenzie wusste schon mit seinem Vorgänger "Hallam Foe" zu überzeugen und mit Ewan McGregor und der wunderbaren Eva Green ist auch die Besetzung durchaus zugkräftig.
Jetzt nach dem zweiten Blick, sprich dem Anschauen des Films auf Blu-ray, verwundert mich das totale Versagen an der Kinokasse nur noch mehr.
Obwohl... Obwohl die Betonung hierbei vermutlich auf "mich" liegen muss - mich verwundert das Versagen sehr, denn ich persönlich liebe diesen Film, aber ich weiß halt auch, dass der Massengeschmack sicher anders ausschaut.
"Perfect Sense" spielt zwar in einem Endzeit-Szenario, ist aber meilenweit entfernt von den dafür üblichen Zombie-Horden, einsamen Macho-Helden a la Mad Max oder hirnlosen Megabudget-Material- und Special Effects-Schlachten a la "2012" - das schottische Glasgow im Hier und Jetzt oder zumindest in einer gar nicht allzu fernen Zukunft. Eine neue, rätselhafte Epidemie raubt der Menschheit nach und nach ihre Sinne. Erst verlieren die Menschen ihren Geruchssinn, dann folgt der Geschmackssinn. Mitten in dem aufkeimenden Chaos treffen der Chefkoch Michael und die Forscherin Susan aufeinander - beide von leidvollen Erfahrungen geprägt und doch recht unterschiedlich im Umgang damit. Trotz der Verwirrung im eigenen Ich und durch die Epidemie um sich herum verlieben sie sich. Für die Zwei und die Menschheit geht das Leben trotz der Katastrophe irgendwie weiter. Doch die Intensität nimmt stetig zu - die Intensität ihrer Beziehung wie auch die Intensität der Katastrophe. Schon bald drohen der Verlust des Hörsinns und der Sehkraft - und die frisch Liebenden drohen sich aus den Augen zu verlieren - im wahrsten Sinne des Wortes wie auch durch die scheinbar doch alles zerstörende Kraft der Katastrophe...
Im Grunde genommen deckt "Perfect Sense" gleich zwei Filmstoffe ab.
Zum Einen den Verlauf einer Apokalypse - ohne Monster, ohne große Action, ohne Helden-Pathos. Vielmehr wird anhand von Menschen wie du und ich aufgezeigt was mit den Menschen in so einer Situation passieren könnte - Panik und Hoffnung im Wechsel, irrationales Handeln und das letztliche Einstellen auch auf extremste neue Situationen wechseln einander ab. Größtenteils ist dieser Teil des Films sehr gelungen, vielleicht gibt es ein oder zwei Szenen, die etwas zu trashig geraten sind (ich denke da insbesondere an die Szene mit der kollektiven Fressattacke), aber in der Summe sind die Entwicklungen nachvollziehbar und gut dargestellt.
Der zweite Filmstoff ist natürlich die Liebe in Zeiten der Krise. Wirklich viel erfahren wir über die Beiden nicht, aber trotzdem findet man einen Zugang zu ihnen. Man leidet, hofft und fürchtet mit ihnen und das liegt einfach daran, dass Ewan McGregor und Eva Green ihre Rollen sehr gut spielen und die Chemie zwischen ihnen einfach stimmt. Manch einer mag es depressiv nennen, ich würde aber eher von einem rauschhaften Sog sprechen - von Beginn an spürt man, dass diese kleine, große Love Story keine Chance haben wird und doch schwingt immer eine Hoffnung mit.
Diese Sogwirkung wird auf phantastische Weise verstärkt durch wunderbare Bilder und einen hundertprozentig passenden ruhig-melancholischen Score von Max Richter. Die Musikstücke tragen Titel wie "On a turning world", "Tenderly the light" oder "A place we were" - und so poetisch wie diese Titel heißen und klingen, so poetisch ist auch der Film als Gesamtwerk.
Wenn man sich auf den Film konzentriert und einlässt, dann saugt es einen mit wundervollen Bildern, stimmiger Musik und großartigen Darstellern in die Geschichte, in die Hoffnungslosigkeit und doch irgendwie auch in die Lebensbejahung.
Wenn es schon zu Ende gehen muss, dann bitte mit soviel Leidenschaft...
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