In meinem ersten TV-Post ging es um "Herr Eppert sucht..." auf zdfneo und in diesem zweiten geht es um tv noir - auf zdfkultur.
Ja, hallo!? - Bin ich jetzt zum ZDF-Jünger geworden!?
Wenn ich dann noch bedenke, dass es im dritten Post mutmaßlich um die großartige Sendung "Roche & Böhmermann" gehen wird, die auch auf zdfkultur läuft - oh boy...
Na, reiner Zufall ist es gewiss nicht - hochwertiges, innovatives Fernsehen findet man halt fast nur noch dort...
Aber zurück zu tv noir...
TV Noir trägt den Untertitel "Wohnzimmer der Songwriter".
Mit Untertiteln ist das ja immer so eine Sache. Gerade in Deutschland ist es auch bei Filmen geradezu eine Manie - jeder eigentlich noch so klare und passende Titel muss anscheinend einen, in aller Regel, saublöden Untertitel bekommen. Das führt dann zu schlimmen Ergebnissen wie "Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis" oder "Rapunzel - neu verföhnt".
"Wohnzimmer der Songwriter" passt einerseits ganz gut, denn im Mittelpunkt stehen Musiker vornehmlich aus der Rubrik Songwriter und das Bühnenbild mit Couch, alter Stehlampe etc. hat etwas von Wohnzimmer.
Allerdings assoziiere zumindest ich bei einer Sendung, in der es vor allem auch darum geht einem Künstler näher zu kommen, mit dem Begriff "Wohnzimmer" auch so etwas furchtbares wie "Homestory" - und genau davon ist tv noir zum Glück meilenweit entfernt.
Kurzum - was ist tv noir!? - Am Besten lasse ich die Redaktion an diesem Punkt einmal selbst sprechen. Auf der tv noir-Homepage steht gut beschrieben:
"TV Noir ist eine Mischung aus Live-Musik, Talk, Spiel und Interaktion mit dem Publikum.
Zwei Musiker nehmen bei Moderator Tex auf dem Sofa Platz, zumeist ein noch relativ unbekannter Newcomer, zusammen mit einem bereits etablierten Künstler.
Man unterhält sich auf ungekünstelte Weise und es werden Spiele gespielt. ... Die Zuschauer können durch selbst erdachte und angebotene Aktionen von den Künstlern mitgebrachte Geschenke gewinnen.
Die Musik ist akustisch - Schlagzeuge werden durch Cañons ersetzt oder der Takt wird einfach auf der Gitarre geklopft, manchmal kommt ein Flügel zum Einsatz; meist trägt sich alles durch Saiteninstrumente und zarte bis herzzerreißende Stimmen, die in jede Ritze des großen Saals dringen."
Und warum ist tv noir für mich so großartig!?
An vorderster Front ist hier zu sagen, dass die Auswahl der Musiker zumindest für mich schlicht großartig ist!
So haben u.a. Klee, Erdmöbel, Annett Louisan, William Fitzsimmons, Boy, Philipp Poisel, Judith Holofernes von Wir sind Helden, Thees Uhlmann, Maximilian Hecker oder Oli Schulz Platz auf der Couch genommen.
Es ist einfach eine riesige Freude diese Künstler mal eine Stunde hautnah und ungeschminkt zu erleben - und damit ist, um die Brücke zur schrecklichen "Homestory" zu schlagen, eben nicht gemeint, dass wir jetzt "tolle" Klatsch-Stories aus ihrem Privatleben erfahren, sondern es geht einzig um ihre Musik. Es geht um so Dinge wie: "Wie bist du an dieses Projekt herangegangen?" oder "Warum hast du auf dem neuen Album deinen Stil so radikal verändert?" oder "Was hat dich zu diesem Text inspiriert?". Man lernt nicht in erster Linie den Privatmenschen hinter dem Musiker kennen, sondern sozusagen den privaten Musiker hinter dem Musiker - für musikbegeisterte Menschen wie mich ein echtes Geschenk.
TV Noir ist also so großartig, weil die eingeladenen Künstler es fast durch die Bank sind und weil die Gespräche einfach wunderbar locker, authentisch, musikbezogen und oft doch ziemlich in die Tiefe gehend sind. Sicher auch ein Verdienst von Moderator Tex.
Hinzu kommen zwei weitere Aspekte:
Jeder Künstler spielt in der Stunde tv noir i.d.R. vier Stücke - wie beschrieben unplugged und oft zu Herzen gehend schön.
Und mehrfach schon habe ich tatsächlich durch tv noir neue herausragende Künstler für mich entdeckt und das ist schon ein Gütezeichen, denn wer mich kennt weiß, dass das was heißen soll, denn schließlich lese ich Monat für Monat diverse Musikzeitschriften und bin insofern eigentlich weit überdurchschnittlich gut informiert. Trotzdem wären mir ohne tv noir ein paar Künstler durch die Lappen gegangen - die Alin Coen Band, Sven van Thom, Cäthe und in der jüngsten Sendung Johannes Stankowski hätte ich ohne tv noir nie oder zumindest erst weit später für mich entdeckt.
Danke, tv noir!
Ja, und so freue ich mich Monat für Monat auf die neue tv noir-Folge - immer einen Freitag im Monat am späten Abend auf zdf kultur.
Seit einiger Zeit gibt es tv noir auch auf Tour.
Mein Herz schlägt schon jetzt höher - am 25.09 gastiert tv noir mit der Alin Coen Band und Naima Husseini im Kölner Gloria - nichts wie hin...
Und wer nicht zum Konzert kann, der sollte wenigstens einmal im Monat den richtigen Knopf auf der Fernbedienung zur rechten Zeit finden...

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