Donnerstag, 12. Juli 2012

MUSIK - Rumor - Boys don't cry (4 out of 5)



Vor gut 2 Jahren begeisterte "Rumer", eigentlich Sarah Joyce, mit ihrem Debüt-Album "Seasons of my soul". Ihr wunderbarer Auftritt in der von mir so geliebten Harald Schmidt-Show damals ist unvergessen.
Schon ihr Debüt wirkte ein wenig aus der Zeit gefallen - ruhig, von einer wunderbaren Stimme getragen, musikalisch gefühlt mehr als 30 Jahre zu spät und eben frei von den "Must do"-Spielereien der oft so beliebigen aktuellen Musik.
In Deutschland schaffte sie es trotzdem bis auf Platz 13 der Album-Charts, in GB sogar bis auf Platz 3.
Mit dem neuen Album "Boys don't cry" schließt sich dieser Tage irgendwie der Kreis - auf dem neuen Album finden sich keine Eigenkompositionen, sondern 12 Interpretationen von Singer/Songwriter-Perlen ausschließlich männlicher Künstler aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Aus der Zeit also, die schon auf ihrem Debüt unverkennbar im Raum stand. Es sind Songs von einstigen Größen wie Neil Young, Gilbert O'Sullivan, Townes van Zandt oder Isaac Hayes. Ein großartiges Songmaterial und einige der Stücke polarisierten damals.
Rumer macht daraus trotz aller Ecken und Kanten des Ursprungsmaterials 12 ganz ihrem eigenen Stil verschriebene Stücke Wohlfühl-Pop. 
Besonders kritische Zeitgenossen mögen ihr dafür Beliebigkeit, Langeweile oder gar das Raubschatzen an den Originalen vorwerfen.
Die Kritik im "Focus" spricht beispielsweise von "formlosem Gehauche, das nicht einmal beim Bügeln stört". Na ja, der "Focus" - politisch schon ein einzige Katastrophe und nun wirklich weit davon entfernt ein ernstzunehmendes Fachblatt für Musik und Popkultur zu sein - geschenkt also!
Mir gefällt auch das neue Rumer-Album sehr gut! 
Natürlich ist das keine Musik mit großer Aussage und Geste für den politischen Protest, keine Musik zum "es mal richtig krachen lassen" und keine Musik für den Dancefloor (na, vom Kuscheltanz mal abgesehen...). 
Aber wer ein Rumer-Album kauft erwartet halt ohnehin eher Musik in Richtung von z.B. Adele oder Rebekka Bakken - ruhige, schöne, entspannte Songs mit Einflüssen aus Pop, Jazz, Singer/Songwriter und Soul. Meinetwegen auch, um noch einmal auf den Focus zurückzukommen, Musik zum Bügeln. Aber dann Musik, die das Bügeln keineswegs langweilig macht, sondern es leichter von der Hand gehen lässt. Musik also für schöne Stunden zu Zweit, für einen verträumten Nachmittag mit Kopfhörern auf der Terrasse oder als entspannt-beschwingte Begleitung bei der Hausarbeit.
Für diese Gelegenheiten hat Rumer ein eingängiges, wunderschönes Album zusammengestellt.

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